Communicate!


029 - macocho
Die Liste der Wohnungen bei macocho. Der zweite Eintrag von oben, das ist der jenige welche *g*




























031 - Westdale
Und noch mehr Westdale.
Als ich wieder erwache ist es 8:00 morgens. Krass, ich habe elf Stunden geschlafen! Aber ich fühle mich einigermaßen erholt. Als erstens nehme ich eine ausführliche Dusche. Ich rechne: In Deutschland ist es jetzt 14:00, Schatzi hat grade ihre Frühschicht beendet. Perfekter Zeitpunkt für einen Anruf! Und tatsächlich, mein Pappstück funktioniert prima und mein Schatzi freut sich sehr, was von mir zu hören. Ich mich auch sie zu hören :D. Naja eine ganze Weile unterhalten wir uns noch, bis ich sie schließlich ins Bettchen schicke. Zeit, meinen Tag zu planen. Mein nächstes dringendes Ziel: Kommunikation. Gut, Telefon habe ich zwar, aber telefonieren ist nicht ganz billig. Internet muss her. Ich will 'nen Newsletter verschicken. Eigentlich kann das ja nicht so schwer sein. Ich erinnere mich noch gut, wie ich in New York in der NYPL und in einer Shopping Mall kostenloses Internet hatte. Also her damit. Meine erste Idee ist, es im Fachgebiet der Uni zu versuchen. Als erstes rufe ich Dr. Kirubarajan an, mit dem ich bislang den allermeisten Kontakt per e-mail hatte. Doch er ist nicht da (übrigens, er ist bis heute nicht aufgetaucht. Seit den Blackouts hat ihn niemand mehr gesehen und keiner weiß wo er ist. Auch keine Reaktion auf e-mail.). Also versuche ich es bei Dr. Wong (der mir eigentlich als Supervisor zugeteilt worden war, jedoch auf Mails nie geantwortet hat). Er ist da. Ich erkläre ihm, wer ich bin. Er kennt mich nicht. Nein, er kann mir nicht helfen, ich solle mich an Dr. Todd wenden. Doch bei dem bin ich total falsch, der weiß garnix mit mir anzufangen. Hm, etwas frustrierend muss ich zugeben. Ich komme hier an und keiner weiß bescheid? Ich muss mich dringend in Deutschland melden. Ich will mit Dr. Gershman reden (der hatte mich an die McMaster Universität eingeladen, leider ist er noch in Deutschland in einem Forschungsprojekt und deshalb nicht hier). Die Nummer habe ich natürlich nicht dabei. Toll. Ich wollte sie ggf. im Internet nachgucken. Grml. Auf meiner Platte ist sie auch. Nützt wenig. Ich könnte Prof. Haardt (mein Prof. an der TU Ilmenau) fragen, der hat sie. Doch auch dessen Nummer habe ich nicht. Und bei der Vermittlung von der TU ist keiner mehr. Na cool. Plan 1 gescheitert.
Bevor ich zu Plan 2 übergehe brauche ich was zu essen. Ich habe nen Bärenhunger. An der Rezeption von Mary Keyes frage ich ob es hier auf'm Campus breakfast gibt. Ja, im student centre. Ich lasse mir für alle Fälle nen Campus Plan geben, obwohl ich das student centre gestern schon gefunden hatte. Dort angekommen strahlen mir die Mitarbeiter einer Tim Hortons - Filiale entgegen. Die dort ausliegenden Donuts und Muffins sehen verdammt lecker aus. Sowas will ich haben. Mutig stelle ich mich an. Die Leute vor mir rasseln ihre Bestellung in einem scheinbar jahrelang einstudierten Fluss runter. Und nein, hier bestellt mein keinen Kaffee... darf's ein double double frappachino oder lieber ein super chocolate moccachino decaf sein? Verdammt eingeschüchtert stehe ich da und es ist mir fast schon peinlich, als ich meinen einfachen "coffee, small" bestelle. Dazu lasse ich mir einen chocolate dip, einen honey dip und einen double chocolate geben. Das sind alles Donuts. Es gibt hier zahlreiche Sorten in allen möglichen Variationen, mit Glasuren, Streuseln, hellem oder dunklem Teig und vielem mehr. In der Halle des student centre nehme ich mein Frühstück ein und schaue mich um. Heute herrscht deutlich geschäftigeres Treiben, viele Leute laufen auf und ab. Wow, die Donuts schmecken unverschämt gut. Verdammt fett, verdammt süß, aber gut. Also an's Tim Hortons könnte ich mich gewöhnen (das bislang einzige gute Futter was ich dort entdeckt habe und auch das kann einem nach ner Weile zum Hals raushängen).
Nach dem Frühstück nutze ich den Umstand, einmal im student centre zu sein, um am macocho (s.o.) vorbeizuschauen. Mit Zettel und Stift bewaffnet notiere ich mir Adressen und Telefonnummern. Die Straßen sagen mir wenig, also frage ich nach einer Karte. Zu meiner Freude gibt man mir sogar zwei sehr schöne Karten, einen etwa A3 großen schwarz-weißen Plan mit einem Straßenverzeichnis und einen Faltplan, der fast wie ein Stadtplan ist, dafür aber kein Verzeichnis hat. Die Pläne studierend gehe ich in mein Zimmer zurück. Zeit Internet-Plan 2 zu verfolgen: öffentliche Bibliotheken. Ich weiß, die haben Internetzugänge. Ich frage nach, ob es hier am Campus Bibliotheken gibt. Ja, gibt es: H.G. Thode Library Of Science & Engineering und Mills Memorial Library. Und Off-Campus? In Westdale sei eine, die Hamilton Public Library. Na das klingt doch nach ner Menge Optionen. Doch naja, in H.G. Thode finde ich zunächst nur PC's für die bibliotheksweite Recherche. Vielversprechend weisen Schilder den Weg zu e-mail-PC's downstairs, doch auch bei diesen habe ich kein Glück. Zugriff habe ich hier nur auf das Mailsystem der Uni. Internet gibt es nur über einen Proxy und dafür braucht man 'nen Account. In Mills Memorial sieht es nicht besser aus, hier gibt es gar keine "e-mail-PC's". Also mache ich mich auf den Weg nach Westdale. Es gibt zwar Busse da hin, aber da es mir nicht weit zu sein scheint, ich die Gegend kennenlernen will und keine Lust habe 2$ auszugeben, laufe ich. Nach 15 Minuten auf der Sterling St. biege ich auf die King St. ein. Hier beginnt Westdale. Ein sehr nettes kleines Viertel. Viele kleine Geschäfte drängen sich an der Straße, viel Leben ist hier. Wohnen tut man ausschließlich in Einfamilienhäusern, alle mit gepflegtem Vorgarten und gebührendem Abstand. Ich frage mich zur Library durch. Doch dort Enttäuschung: "due to an emergency, the library is closed" weist ein Schild an der Eingangstür. Hmmm, wie lange das wohl dauern wird? Und immernoch kein Internet.
Ich beschließe, mich für den Rest des Tages um die Wohnungssuche zu kümmern. An der Ecke sehe ich ein public pay phone von Bell. Ortsgespräche sind ja kostenlos denke ich. Trotzdem muss ich einen Quarter (25 cents) einwerfen, um hier telefonieren zu können. Eine meiner Nummern verspricht eine Wohnung in Westdale, vielleicht kann ich mir die ja gleich anschauen. Eine Lisa Schmitz meldet sich, freundliche Stimme, schätze sie auf Anfang 30. Sie ist noch auf Arbeit, wir verabreden uns für 7 p.m. Da das public payphone meinen Quarter tatsächlich gefressen hat, beschließe ich, zurück zu meinem Zimmer zu gehen und von dort weiter zu telefonieren. Ich mache zwei weitere appointments aus: für dreiviertel vier in 154 Ward Ave und danach in 1280 Main St. Viele weitere Nummern telefoniere ich durch. Manche von ihnen sind nicht erreichbar, andere besetzt, bei einigen höre ich eine Ansage von Bell die mir erklärt wie ich das Telefon zu benutzen habe. Erst area code dann die Nummer meint sie. Hm, hab ich doch gemacht. Komisch hier irgendwie. Die verbleibende Stunde nutze ich um Sachen die ich benötige aus den Koffern zu kramen, meine Tasse, mein Besteck... ich bräuchte mal ein paar Lebensmittel, denke ich.
030 - Westdale
Westdale village, ein paar typische Häuser.


Nunja, das appointment in der Ward Ave holt mich dann sogar vom Campus ab. Die ältere Dame mit schlecht zu verstehendem Akzent bleibt mitten auf einer Kreuzung stehen und winkt mich heran. Sie fährt mich zu der wirklich nicht weit entfernten Wohnung in der Ward Ave. "Ya'u wi'all no'ht find anytinn chea'aper i'an Hamilton!" [Sie werden in ganz Hamilton nichts Billigeres finden!], versichert sie mir. Und tatsächlich der Preis von 235 CAD ist erstaunlich niedrig. Doch als ich das Zimmer sehe, wird mir klar warum... ein kleiner Raum im Keller, ein müdes Kellerfenster spendet spärliches Sonnenlicht, der Fußbodenbelag wellt sich. Drinnen steht ein mitgenommen aussehendes Bett und ein Schrank, einen Tisch sehe ich nicht. Hier wohnt offenbar noch jemand. Direkt daneben, mit einer sehr dünnen Wand dazwischen, das nächste Zimmer. Es ist komplett leer, die Tapete sieht nicht gut aus. Vor den Zimmern eine Küchenzeile im Kellerdurchgang. Alles steht voller rostiger Töpfe. Im Anschluss daran 'ne Waschmaschine und 'n Trockner. Die Rohre gehen durch den Gang, nichts ist hier verkleidet. Nein, also bei aller Liebe, das ist kein Platz in dem man sich wohlfühlen kann. Es mag billig sein aber es ist nicht schön hier. Das würde ich kein ganzes Jahr aushalten. Die Dame redet wie ein Wasserfall, aber ich verstehe nur drei viertel von dem was sie sagt aufgrund ihres starken Akzents. Sie versucht mich zu drängen, will wissen ob ich es nehmen werde und warum ich zögere. Ich will mir erst weitere Wohnungen anschauen und dann vergleichen, meine ich. Sie lässt nicht locker, besser wäre es, ich würde mich gleich entscheiden. Sie lässt es sich nicht nehmen, mich zu meinem nächsten appointment zu fahren und nutzt die Zeit, auf mich einzureden. Ich bin froh als wir endlich in der 1280 Main St. W. ankommen. Das dort liegende Haus finde ich verschlossen. Ich bin wohl zu spät. Am Telefon hieß es, man könne sie sich täglich von 8 a.m. bis 4:30 p.m. anschauen, naja gut es geht schon auf fünf. Aber andererseits, die Main Street ist hier siebenspurig, je drei Spuren in beide Richtungen, die mittlere Spur zum links abbiegen. Mächtig viel Verkehr hier, mächtig laut. Und billig sind die Wohnungen nicht grade. Nee, zu dem Preis so'ne Straße, das will ich dann auch nicht wirklich. Bis zum nächsten Date habe ich noch zwei Stunden Zeit. Da Westdale direkt um die Ecke ist laufe ich noch mal zur Bibliothek.Vielleicht ist die ja jetzt offen. Jedoch, den Zustand finde ich unverändert. Lediglich der Haufen Bücher hinter dem Einwurfschlitz ist beträchtlich angewachsen. Ob das den Büchern so gut tut? Nun, da ich immernoch anderthalb Stunden Zeit habe laufe ich zurück zum Campus und rufe dort mein Schatzi an, um ihr von meinem Tag zu berichten. Bei ihr ist es ja schon Mitternacht und sie hat Frühschicht.
Pünktlich um sieben stehe ich dann in Westdale vor dem Haus 75 Bond St. South und warte auf Lisa. Sofort fragt mich der Nachbar, ob er mir helfen kann. Gute Gegend denke ich so, freundliche Nachbarn gibt's hier. Lisa ist etwas late sie entschuldigt sich tausendmal. Anschließend zeigt sie mir das Innere des hübschen kleinen Hauses. Ein Zimmer im Erdgeschoss, wirklich groß, zur Zeit wird es noch bewohnt von Grace aus Vancouver die aber bald ausziehen wird. Ein Zimmer in Parterre, als Gimick ein Wintergarten daran. Und drei Zimmer in der ersten Etage. Parkettfußboden, weiße Wände, alles in recht gutem Zustand. Das kleine der drei Zimmer ist sogar möbliert. Es gefällt mir verdammt gut. Dazu gibt es zwei bathrooms, einer im 1. Stock einer im Keller. Im Erdgeschoss eine gut aussehende Küche: Spüle, Kühlschrank, Herd, alles da. Ein gemeinsames Wohnzimmer mit Couch und TV ist auch vorhanden.
032 - HPL
Der Book return der Bibliothek, total überfüllt...


033 - Walk In Clinic
Ohne Worte



034 - Squirrel
Sieht man hier alle paar Meter: Eichhörnchen. Total frech und penetrant...



035 - 75 Bond St S
Das ist es, das Haus in 75 Bond St. S. Ist von innen größer als von außen ;-)
Ich unterhalte mich mit Lisa. Das ich aus Deutschland bin, scheint ihr gut zu gefallen. Ihr Mann, Eward (hier nennt er sich Ted), kommt aus Deutschland. Ein kleines Dorf bei Tilsit, sie kann es nicht aussprechen, meint sie. Dass ich graduate student bin scheint ihr sogar noch mehr zu gefallen.  Wieviel sie haben will, frage ich. Im Angebot stand 350 CAD. Sie gibt mit das kleine Zimmer für 325 CAD meint sie, weil ich aus Deutschland bin. Dazu kommen noch Utilities (Strom, Heizung, Wasser), so 50 - 60, im Winter mehr. Naja unter 400 wollte ich bleiben, also auch finanzierbar. Ich bekunde mein Interesse, ohne jedoch fest zuzusagen. Bis Donnerstag will ich mich entschieden haben, sage ich ihr. Freitag muss ich sowieso umziehen, länger bekomme ich das andere Zimmer nicht.
Es ist 19:30, als ich zurück zur Uni laufe. Eigentlich bin ich zwar schon ganz schön viel rumgelaufen aber ich brauche noch was zu essen. Also lege ich einen weiteren Marsch zu einer Art Supermarkt ein, den ich auf meinem Weg an der Main St. gesehen habe. No frills nennt er sich. Dort will ich ein bissel was zum Essen und zum Trinken holen.  Ein Bier wäre nicht schlecht (Himmel war ich zu dem Zeitpunkt naiv, wenn ich geahnt hätte, wie schwierig das hier mit dem Alkohol ist....).  Also marschiere ich die Main St. hinauf. Das no frills ist wirklich groß, alles Mögliche gibt es hier zu essen. Und, das hätte ich wirklich für unmöglich gehalten, aber tatsächlich, im Brotregal finde ich in einer Ecke zwischen dem ganzen widerlichen pappich weichen Weißbrot ein Roggenmischbrot. Zwar nicht ganz das Original aber erstaunlich nahe dran! Denn Weißbrot zum Abendbrot, bei aller Liebe, das gebe ich mir nicht. Zu Trinken finde ich Pepsi und Eistee. Ich frage nach Bier, aber man zeigt mir nur alkoholfreies. Alkohol gibt es hier nicht. Komischer Laden denke ich... naja, dann halt nicht. Um halb neun bin ich zurück. Mächtig fertig von dem vielen Herumgelaufe in meinen total kaputten Sandalen und mit schmerzenden Füßen nehme ich mein erstes selbst zubereitetes dinner ein. Zum Brot habe ich Schinken, Salami und Käse aufgetan. Hmm, tut gut. Mittag hatte ich heute auch keins. Um viertel zehn streckt mich die Müdigkeit dann ins Bett. Mein erster Tag in Hamilton. Na, einiges hab ich doch geschafft. Und Internet bekomme ich ja morgen bestimmt in der HPL.


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