A new home


053 - Food Court
Der Pasta-Place






























055 - Food Court
Der Sandwich-Place
Am Donnerstag wache ich gegen 9 voller gespannter Erwartung auf. Endlich Internet. Am "eigenen" PC. Ohne Zeitdruck. Genau male ich mir aus was ich alles schreiben werde. Das wird 'ne Weile brauchen, denke ich, immerhin habe ich ja schon einiges erlebt! Fotos werde ich auf dem Rechner wohl nicht runterladen können, aber immerhin, ein Lebenszeichen. Wer weiß, wer sich schon alles Sorgen macht. Hier und da habe ich zwar mal hintelefoniert, aber allen kann man ja kaum bescheid sagen. Nun gut, ich beeile mich mit dem Frühstück und haste zum CRL-Building, so gut wie das eben geht mit dem immer noch geschwollenen Fuß. Ich klopfe bei Helen. Sie überreicht mir den Brief. Kaum wage ich es, das heilige Stück zu berühren. Ich lasse mir einen Umschlag dafür geben. Stolz halte ich ihn in der Hand. Den Zettel zur Freiheit. Ich lasse mir die Adresse des CIS geben (CIS = Computing & Information Services).  Ich finde sie im Erdgeschoss des A.N. Bourns Science Building. Als ich eintrete, werde ich von einer Dame in den späten 40ern sehr kritisch gemustert. Als ich dann noch nach einem Proxyaccount frage und hinzufüge, dass ich nicht mal Student bin, scheint sie alles andere als begeistert. Sie betrachtet meinen Brief sehr genau, liest ihn mindestens drei mal durch. Danach drückt sie mir ein Formular in die Hand, ich solle das ausfüllen. Namen, Adresse, Passwort will man von mir wissen. Ich fülle es alles aus und gebe es ihr zurück. Doch auch damit ist sie nicht zufrieden. Der untere Teil des Formulars müsse von meinem Supervisor abgezeichnet werden. Also dackle ich brav mit dem Wisch in der Hand zurück über den ganzen Campus ins CRL-Building zu Dr. Wong's Sekretärin. Glücklicherweise läuft Dr. Wong selbst grade vorbei und so bekomme ich die nötige Unterschrift ziemlich schnell. Zurück im CIS - Building werde ich endlich das Formular los. Gut, sagt sie, ich werde einen Proxy- und einen E-Mail-Account bekommen. Die Instruktionen wie ich auf den Proxy zugreife wird sie mir per Mail schicken. Ok, von mir aus, aber wie komme ich denn an die Mails ran? Das will sie mir auch mailen. Aber um die Mails zu lesen muss ich doch wissen wie ich sie lesen soll? Totale Verwirrung auf meiner Seite. Es dauert eine ganze Weile, bis ich endlich verstehe, dass sie mit "Mail" keine E-Mail, sondern herkömmliche Post meint. Sie wird einen Zettel machen und den an die ECE-Fakultät schicken. Fast habe ich das Gefühl, sie vertraut mir einfach nicht. Wie lange das denn dauern würde, ob ich den Brief heute schon haben könnte? Ich kassiere einen fast tödlichen Blick. Vielleicht morgen. Mit einem sehr stark gestreckten vielleicht. Oh man. Das kann doch echt nicht wahr sein. Das einer Elite-Uni wie McMaster so schwierig ist mal 'nen Zugang zum Internet zu bekommen? Das denke ich natürlich nur. Freundlich wie immer verabschiede ich mich. Ich hätte nicht übel Lust, jetzt 'nen Baum zu fällen. Oder ein Haus abzureißen. Aber naja, mich bringt ja nichts aus der Ruhe und also finde ich mich mit meinem sowieso nicht änderbaren Schicksal ab. Morgen ziehe ich ja um. Das PC-Angebot werde ich wahr nehmen, es ist wirklich günstig und vor allem direkt um die Ecke. Am Ende hab ich zu Hause schneller Internet als an der Uni.
Ich frage mich, wie ich wohl je an die Post kommen soll. Genauer gesagt frage ich nicht nur mich das, sondern auch Helen. Sie wird mir einen Briefkasten einrichten. Bis dahin landet jegliche Post auf meinem Schreibtisch. Und das hat sie dann tatsächlich auch getan. Vor meinem Office steht ein Regal mit vielen vielen Fächern und an einem jener findet sich mittlerweile tatsächlich mein Name. Natürlich ohne das ö. Das kann ich hier sowieso niemandem anbieten. Hier bin ich nicht Mr. Römer, hier bin ich Mr. Roemer. Und spreche mich Flojen Roumer. Ich hab zwei-, dreimal versucht nem Kanadier die Aussprache meines Namens beizubringen... zwecklos. Der Einzige, der es geschafft hat ist Scott (mein Mitbewohner).
Ich beschließe, dass es höchste Zeit ist, endlich mal etwas für meine Studienarbeit zu tun. Schließlich bin ich schon fast eine Woche hier und im September werden ja die Vorlesungen anfangen. Also verbringe ich den größten Teil des restlichen Tages mit Arbeiten. Keine Angst, mit den Details zur Studienarbeit werde ich euch jetzt nicht belasten. ;-)
Unterbrochen wird meine Arbeit lediglich von einem ziemlich starken Hungergefühl. Ich frage meinen PC-Nachbarn ob man hier auf dem Campus irgendwo lunchen kann  Im student centre könnte ich es probieren, die haben pretty good lunch. Also breche ich dahin auf. Was ich dort vorfinde ist nicht etwa sowas, wie man sich unter einer Mensa vorstellen würde, neiiin. Es ist ein food court. Hat auch irgendeinen Namen, ich habe ihn vergessen. Wieder einmal bin ich ziemlich hilflos, da ich keine Ahnung habe, wie das hier funktioniert. Also lerne ich aus Beobachtung. Und das funktioniert so: Der food court besteht aus mehreren Ständen, wo man sich alle möglichen Arten von Essen zusammenstellen kann. Eine Pasta-Bar gibt es hier beispielsweise. Wenn Kanadier Pasta sagen, meinen sie Nudeln mit irgendeiner Soße.  Die Kanadier essen viel Pasta. Wegen der vielen Italiener, sagt mein Mitbewohner. Ich denke eher weil es lecker ist und schnell geht. Nunja, an jenem Pastastand kann man sich jedenfalls seine Soße selbst komponieren. Man kann eine Grundkomponente auswählen und da alles mögliche reinwerfen lassen: Fleisch, Gurken, Paprika, Tomaten, Pepperoni, Zwiebeln und alles was das Herz sonst noch so begehrt. Ein Arsenal an Gewürzen steht dann für die Abrundung des Geschmacks zur Verfügung. Die Würzung nimmt der Kunde üblicherweise selbst vor. An einem anderen Stand kann man sich Sandwiches bauen lassen. Alle nur denkbaren Gemüsesorten findet man hier, dazu eine Selektion Fleisch, Käse und natürlich zahlreiche Soßen. An wieder einem anderen Stand gibt es gebratenes: Spiegelei, Rührei, mit Schinken und Speck, fried Cheese (in einem Burger), Pommes und vieles mehr. Natürlich darf auch ein Pizzastand nicht fehlen. Dazwischen Obst, Getränke, Salatbar in der Selbstbedienung. Nunja, man packt sich das halt dann alles erstmal nach Herzenslust auf ein Tablett. Bezahlt wird beim Verlassen des food court, wo fleißige Kassiererinnen auf mir unerklärliche Weise aus dem ganzen Mischmasch auf den Tabletts einen Preis ermitteln. Da ich im Moment keine Lust auf lange Fragespielchen habe, nehme ich eine abgepackte Pizza und 'nen Apfel. Ich vertraue dem System noch nicht so ganz. Doch es klappt gut. Später bin ich dann übrigens mutiger geworden, zu Rühreiern mit Schinken, Toast und Salat habe ich es mittlerweile auch schon gebracht. Stolz! :D Nunja, nun wisst ihr wie man Mittag ist @ Mac. Alles in allem muss man allerdings sagen, dass es ganz schön teuer ist, dort zu essen. Also jeden Tag kann ich mir das auf keinen Fall leisten.
Der Rest des Tages war reichlich unspektakulär, ich hab ihn verbracht mit arbeiten und Nachhaustelefonieren. Als ich ins Bett gehe, habe ich zumindest die leise Hoffnung, vielleicht morgen doch meinen Proxyaccount vorzufinden. Oder vielleicht schon am eigenen PC ins Internet zu gehen. Irgendwann muss es doch mal.
054 - Food Court
Eine der Salatbars


Freitag, ein neuer Tag. Und ein ziemlich entscheidender. Denn heute muss ich definitiv umziehen. Um halb 9 erwache ich und telefoniere nochmal, denn ich werde in meiner neuen Wohnung auch erstmal kein Telefon haben. Das muss ich mir erst beantragen. Ich nutze es nochmal aus, so nahe am Campus zu wohnen um einige Erledigungen zu machen. Ich schicke die Arztrechnung nach Deutschland, kaufe noch eine Telefonierpappe, besuche mein Office, wo ich natürlich keinen Brief vom CIS vorfinde. Naja, war ja klar. Zurück in Mary Keyes frage ich, bis wann ich denn die Wohnung geräumt haben muss. Oh, da hätten sie eigentlich schon bis 10:00 raus sein müssen. Ich schaue auf die Uhr. Es ist halb zwölf. Uuuups. Schnell krame ich mein Zeug zusammen. Zum Glück hatte ich am Vorabend schon das wichtigste zusammengepackt. Man ruft mir ein Taxi, was ca. 15 Minuten später erscheint. Ich versuche mit dem Taxifahrer ins Gespräch zu kommen, erzähle ihm warum ich in die Bond St. will. Aber er fragt nicht viel zurück und so ebbt das Gespräch bald ab. Nunja, so weit geht die Fahrt ja sowieso nicht, kurze Zeit später stehe ich vor meinem neuen Domizil. Mit mir bringe ich meine zwei schweren Koffer, meinen überfüllten Rucksack, dazu einige Beutel mit den Lebensmitteln. Als ich die Wohnung betrete, ist niemand da. Grace, die hier noch im Keller für eine Woche wohnt, ist wohl aus. Und dann gleich der erste Schreck. Sie hat die Alarmanlage scharf gemacht. Das "armed" - Licht blinkt und der Todes-Dauerton ertönt. Ich erinnere mich an Lisa's Worte. Wenn der Dauerton ertönt habe ich 30 Sekunden, den Code einzugeben. Und hier hilft mir mein phänomenales Zahlengedächtnis mal wirklich weiter. Ich erinnere mich an die vierstellige Zahl. Ich tippe sie ein. Es piept weiter. Muss ich bestätigen? Kein OK in Sicht. Keine Bedienungsanleitung in Sicht. Ohhha *zitter*. Schon sehe ich die Security Agency das Haus umstellen und mich auffordern, mit erhobenen Händen herauszukommen. Doch ich habe Glück. Nach 30 Sekunden verstummt das Gerät und bis heute ist niemand gekommen, mich zu erschießen. Ich muss unbedingt rausfinden, wie ich dieses Teil dauerhaft abtöte. Als Lisa es mir bei meinem ersten Besuch vorführen wollte, hat sie prompt den Alarm ausgelöst. Daraufhin hat man noch eine Chance: Sofort bei der Agency anrufen, nen Code durchgeben und sagen, dass alles ok ist. Gut wenn man ein Telefon hat. Schlecht wenn nicht. Naja, es ist ja nichts passiert. Tja und dann kommt der schöne Teil des Tages: Einziehen. In meinem Zimmer zwei kleine Schränke mit ein paar Schubladen, die einen großen Teil meiner Klamotten aufnehmen. Dazu ein "Closet" (nein, nicht das Klo, der begehbare Schrank, ihr erinnert euch?) für die aufhängbaren Sachen. Außerdem Bretter an der Wand auf denen man einiges ablegen kann. Als ich mein Zeug unter habe, ist der Schreibtisch noch frei, auch die Ablagefläche auf den kleinen Schränken kann ich noch nutzen. Ich bin sehr zufrieden. Ein hübsches kleines Zimmer. Ich mag es jetzt schon. Schön hell, schön viel Holz. Na, ihr könnt ja selbst mal in den Fotos schauen. (Das Haus von außen gabs schon weiter oben: ganz am Ende von Communicate, deshalb hier nur von innen.)
059 - Living Room
Der Living Room
061 - Kitchen
Die Küche
060 - Stairs
Die Treppen führen zu
meinem Zimmer
056 - My Room
Mein Zimmer
057 - My Room
Der Schreibtisch,
mittlerweile steht dort ein PC
058 - My Room
Die Tür links geht in den
Flur, die Tür rechts in
den Schrank *g*


Als nächstes auf meiner ToDo-Liste: der PC-Laden. Ich gehe nochmal hin und lasse es mir genau erklären. Es ist ein Celeron 1700 auf einem Board mit dem VIA ProsavageDDR-Chipsatz (wer's genau wissen will: der P4M266), auf dem Board stecken 256MB 333er DDR-Ram, Grafik gibts halt nur onboard. Dazu 'ne 40er Platte, 'n CD-ROM-Laufwerk, Modem dazu, Speaker, Tasta, Maus, 17 Zoller (gebraucht, aber im Top-Zustand). Und das für ca. 380 €. Verbunden mit dem Service, dass der Laden direkt um die Ecke ist, was nicht nur bei der Abholung günstig ist, sondern vor allem auch wenn mal was damit ist. Ok, ich will den Rechner haben. Doch leider kann ich ihn nicht direkt mitnehmen. Er hat seinen letzten gestern verkauft. Die Teile bekommt er erst am Montag wieder. Da kann ich ihn dann abholen. Hmm, so weit zum Thema Internet. Schade, ich dachte ich könnte den PC über's Wochenende mal in Ruhe einrichten. Aber naja, Land ist ja in Sicht.
Kommen wir zum nächsten Eintrag auf meiner ToDo-Liste: Bier. Endlich. Ich! Will! Bier! An der Rezeption hieß es was von Dundurn St. Wo die ist, weiß ich. Also laufe ich dort hin. Unterwegs eine ziemlich klobige Kirche. Natürlich kommt sie aufs Photo. Sie soll so aussehen als sei sie alt. Aber ein Eckstein verrät das Baujahr: 1931. Hinein kommt man nicht, die Kirche hat geschlossen. Es ist übrigens die "Cathedral of Christ the King". Eine der endlos vielen Glaubensgemeinschaften von Hamilton ist hier beheimatet. Man findet hier an jeder Ecke was anderes. Baptisten, Methodisten, Presbyterianer, Christen, Orthodoxe, alles. Ich habe es zu einem Sport gemacht, sie zu sammeln. Auszug gefällig? St. Georges Reformed Episcopal Church, Macneill Baptist Church, St. Boniface - German Roman Catholic Church (!!), Laidlaw Memorial United Church, Notre Dame du Perpétuel Secours, Chalmers Presbyterian Church, St Paul's Westdale Anglican, The First Unitarian Church of Hamilton, Ukrainian Catholic Church of the Resurrection und endlos viele mehr.
062 - Cathedral
Das ist sie, die Kathedrale





063 - Cathedral
Kathedrale hin oder her, Aircondition muss sein (unten im Bild)
Nungut, der Bierdurst treibt mich weiter. Ich erreiche die Dundurn-Street. Dort eine große Mall: Fortinos. Ich hoffe, den Laden hier zu finden. In einem großen Supermarkt kaufe ich Lebensmittel. Und dort, in der Ecke, tatsächlich, ein Weingeschäft. Ob sie das wohl meinte? Doch als ich die Preise sehe: Ernüchterung. Mein Appetit mag groß sein, aber ein Suchti bin ich nicht. Und für einen einfachen Landwein (!) werde ich ganz sicher keine 9 $ auf den Tisch blättern (6 €). Dafür bekomme ich in Deutschland einen verdammt guten Wein. Nein, das kann es nicht sein. Ich suche die Mall noch etwas ab. Ein 1 $ - store, die sind für mich bis jetzt noch Anlaufstelle für alle Alltagsgegenstände. Hier bekommt man halt mal nen Teller oder nen Wecker für 1 $. Is dann zwar nur ein Plasteteller und nur ein sehr einfacher Wecker, aber was besseres kann man ja immer noch holen. Hauptsache man hat erstmal was. Da ich verdammt hungrig bin, laufe ich bei McDonalds ein. Endlich mal was, was man kennt. Hier weiß ich wenigstens wie viel (bzw. wenig) Geschmack ich erwarten kann. Und wisst ihr, was ich mir bestelle? Einen Quarterpounder mit Käse! :D (Hmmm, möglicherweise wieder ein Insider. Wer ihn nicht versteht, hat allerdings 'ne Bildungslücke :P. Pulp Fiction, unbedingt mal anschauen!) Tja, metrisches System hin oder her, den Quarterpounder gibts hier weiterhin.


064 - Fortinos
Die Obst- und Gemüseauslage bei Fortinos. In Wirklichkeit viel größer als auf dem Bild! *g*
























065 - Beer Store
Das Paradies...
Nunja, satt bin ich zwar aber den liqueur store habe ich nun immer noch nicht gefunden. Mir reicht's, ich frage einen Passanten. Nein, nicht die Mutter mit zwei Kindern. Den jungen Mann da. Ja, sagt er, Dundurn St. soll ich runtergehen, da kommt der dann. Also laufe ich. Und ich laufe und laufe. Weiter als ich sollte mit meinem wieder zunehmend schmerzenden Fuß (er war etwas besser geworden, durch die Schonung am Donnerstag und die automatische Kühlung in dem eiskalt klimatisierten Büro). Doch dann, tatsächlich. Kaum traue ich meinen Augen. Wie eine Oase liegt er da. Der Bierladen. Ein unauffälliges Haus. An ihm ein Schild. Beer Store steht darauf. "Heaven... I'm in heaven... and my heart beats so that I can hardly speak..." geht es mir im Kopf herum als ich eintrete. Ein riesiges Regal. Von jeder geführten Biersorte eine Flasche bzw. Dose. Und meiiine Herren haben die hier viele Sorten. Ich entdecke ne ganze Menge deutsche Biere. Becks. Holsten. Heineken. König Pilsener. Daneben viele amerikanische und kanadische Sorten. Ich erkenne mein Molson Lager wieder (Canadian). Ich denke, das werde ich nehmen. Eine lange Schlange zieht sich durch den Laden. Brav stelle ich mich ganz hinten an. Zum Glück habe ich meinen Pass dabei, denn von Leuten unter 25 wollen sie generell eine ID sehen. Drüber auch, auf Verlangen halt. Erlaubt ist Bier ab 18 oder 19. Kurz bevor ich dran bin, checke ich mein Geld. Oh, verdammt ich habe kaum mehr Bargeld. Na, man wird ja wohl mit Kreditkarte bezahlen können, wie überall hier. Ich schaue zur Tür, suche das Mastercard-Logo. Ich kann es nicht finden. Als ich an der Reihe bin, frage ich. Cash only, so die Antwort.... Grrrrrrrr, das kann doch nicht wahr sein, jetzt war ich so nahe dran!
Aber naja, so schnell gebe ich nicht auf. Suchen wir uns halt 'ne Bank. Die nächste Bank ist bei Fortinos. Also den ganzen Weg zurück. Endlich dort angekommen haste ich zum Geldautomaten. Karte rein, Pin, Receipt entnehmen, Karte entnehmen, und? Jetzt kommt üblicherweise der Teil mit dem Geld. Doch dieser Automat spuckt kein Geld aus. Ich schaue auf das Receipt: "Unable to process - transfer rejected", lese ich da. Oh man, langsam bin ich echt satt mit diesem Land. Ihr wollt mir einfach kein Bier geben, was? Aber da kennt ihr mich schlecht, so schnell gebe ich mich nicht geschlagen! Am Bankschalter frage ich, ob sie irgendwas für mich tun können, rausfinden können, warum der böse Automat mir kein Geld geben will. Aber die freundliche Dame hinter dem Schalter kann da auch nichts machen. Das Einzige was sie mir raten kann, ist, es bei einer anderen Bank zu versuchen. In der Hess St. soll es eine Royal Bank geben, ich soll es da versuchen. Als ich aus der Bank rausgehe, finde ich meine Hamilton-Straßenkarte nicht mehr. Ich durchsuche alles, sie ist nicht da. Als ich rein bin, hatte ich sie noch in der Hand. Ich muss sie irgendwo abgelegt haben. Aber in der Bank ist sie nirgends zu finden. Nach einer Weile suchen verbuche ich die Karte unter Verluste. Ein weiterer Stoplerstein. Aber mich haltet ihr so leicht nicht auf, ooooh nein. Ich weiß, wo die Hess St. ist, harharhar. King St. runter Richtung downtown. Und so stapfe ich mutig vorwärts. Sengende Sonne, tausende von Autos auf der hier vierspurigen King St. Mein Fuß tut wieder ziemlich weh. Der Rucksack mit den Einkäufen wird immer schwerer. Aber ich bin nunmal ein Sturkopf. Und für heute habe ich mir Bier in den Kopf gesetzt. Nach einer Weile kreuze ich die Hess St. Tja, links oder rechts, das ist die Frage? Ich entscheide mich für rechts. Nach einer halben Ewigkeit, als ich fast schon jemanden gefragt hätte, die Filiale der Royal Bank. Und tatsächlich, hier kann ich endlich Bargeld ziehen. Hahaaaa, das hätten wir!
Ich habe einen guten Ortssinn. Das weiß ich. Also entscheide ich mich für eine gewagte Abkürzung durch mir völlig ungekanntes Gebiet. Aber die Straßen sind hier so rechtwinklig, dass man sich kaum verlaufen kann. Und zurück auf die King St. wäre wirklich ein großer Umweg. Nicht nur, dass ich das meinem Fuß nicht antun will, vor allem fürchte ich, der Beer Store könnte geschlossen haben, wenn ich zurück bin. Die Abkürzung funktioniert. Kurz vor Ladenschluss stehe ich an der Theke. Ich ordere 12 Flaschen Canadian und kann es kaum fassen als ich sie tatsächlich in den Händen halte. Eine unscheinbare Pappbox. Weiß mit roter und blauer Schrift. Canadian. Molsen Lager. Und das obligatorische Ahornblatt. Geschafft, ich habe es geschafft. Jetzt bin ich wirklich stolz auf mich. Es mag nur Bier sein, aber es war schwierig! (Um Hamilton gerechet zu werden, sollte ich erwähnen, dass ich mittlerweile weitere liqueur stores gefunden habe. Zwei weitere Beer stores und zwei Filialen von LCBO. Im LCBO findet man wirklich so ziemlich alle Formen von Alkohol. Bier, Wein, Sekt, Schnaps, Whisk(e)y, Gin, Brandy, Grappa und viele weitere. Leider ist Wein trinken hier ziemlich teuer. Unter 6 $ (4 €) bekommt man absolut keinen Wein, naja vielleicht im Tetrapack. Ich habe einen leckeren MdA für 6,15 $ entdeckt (im Sale bis Mitte September), den ich jetzt trinke, obschon der gleiche Wein in Deutschland 2,29 € kostet. Aber immerhin.) Nungut, für den Rückweg nehme ich mal wieder einen Bus, immerhin bin ich ja ganz schön schwer bepackt. Hier ist zwar kein halber Liter in den Flaschen, sondern 355ml, aber 12 Glasflaschen haben trotzdem ihr Gewicht.
Auf dem Rückweg streiche ich 'Bierquelle finden' von meiner ToDo-Liste. Der nächste dringende Eintrag, immer noch enthalten: Internet! Hmm, dazu bräuchte ich erstmal ein Telefon. Als ich zurück bin, ist Grace zu Hause. Ich frage sie aus, wie das hier mit Telefon, Kabel, DSL und Fernsehen allem funktioniert. Sie hat noch ein Telefon da. Der Account ist allerdings gekündigt. Interessanterweise bekommt man trotzdem ein Freizeichen wenn man abhebt. Wählt man dann allerdings eine Nummer, so ertönt ein Automat, der einem mitteilt, man möge doch vorerst bei Bell einen Account einrichten. Man hat hier sowieso keine Wahl, einen anderen Telefonanbieter zu nehmen, also warum nicht Bell. Als ich jedoch die Bellnummer wähle, ist dort leider keiner mehr. Es ist schon zu spät. Morgen früh könne ich es noch einmal versuchen, rät mir der Automat.
Den Rest des Tages verbringe ich in meinem Office mit Forschen und im Anschluss daran mit dem Zelebrieren meines Bieres. Es tut verdammt gut. Und dann, schließlich, die erste Nacht im neuen Domizil.
066 - Beeeeer























067 - Beute
Meine Beute :D


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