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die AKTION |
| Anti-Zensur-Arbeit |
| Unserer Meinung nach ist im Thüringer Schulgesetz [.doc Datei / pdf-Format] eine Zensur durch den Schulleiter möglich. Dieser kann nach Paragraph 26 nämlich die "Herstellung und Verbreitung einzelner Ausgaben der Schülerzeitung auf dem Schulgelände untersagen". Dieser Zustand ist wenig demokratisch und fördert weder die politische Bildung noch das gesellschaftliche Engagement Thüringer Jugendlicher. |
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Wir meinen, dass die Schülerzeitung ganz allein dem Thüringer Presserecht unterliegen sollte. Ohne Zensur und Themenvorgabe sollen Jugendmedien frei gestaltet werden können. In anderen Bundesländern, wie z.B. Mecklenburg-Vorpommern, wurde diese Reform bereits erfolgreich durchgeführt. |
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Die Schülerzeitung soll ausschließlich demokratischen Schulgremien untergeordnet sein. Wenn doch einmal falsche, beleidigende oder rechtswidrige Äußerungen veröffentlicht wurden, dann soll das nicht der Direktor entscheiden und bestrafen, sondern z.B. die Schulkonferenz. |
Außerdem möchten wir gegen Selbstzensur angehen. Es kann nicht sein,
dass sich Jugendmedien selbst zensieren, nur weil sie Angst haben vor den Repressalien
(schlechte Noten, Verweis, ...) ihrer Lehrer und Schulleiter.
Seit 4 Jahren gab es kontinuierliche Gespräche mit Politikern vieler Parteien
und Ministerien. Kultusminister Dr. Michael Krapp lenkte 2000 endlich ein und will
unsere Forderungen in ein überarbeitetes Schulgesetz einarbeiten.
Unsere Forderungen könnt Ihr genau hier nachlesen! [.doc Datei /
pdf-Format]
Aber wir helfen auch praktisch und vor Ort. Zensurfälle gibt es sehr viele. Die meisten
jungen Journalisten wissen sich nicht zu wehren oder haben Angst gegen ihre Lehrer vorzugehen.
Das muss nicht sein. Wir stehen Euch mit rechtlichem Beistand, Tipps und Aktionen vor Ort zur
Seite. Habt Mut und meldet Euch! Nur so können wir euch helfen !!!
Einige Zensur-Beispiele aus der Praxis:
Mai 1998 Goethegymnasium Weimar
Zensur einer Seite der Abiturzeitung "Abbild"
Die Schüler stellten rückblickend auf 12 Jahre Schule und auch teilweise
12 Jahre gleiche Lehrer einige charakteristische Lehrer vor. Darunter ein vor wenigen
Monaten verstorbener Lehrer und stellvertretender Direktor. Auch dieser Lehrer wurde
rückblickend beschrieben. Sachlich und ohne Emotionen. Mit seinen guten und
schlechten Seiten. Der Direktorin war das zuviel. Ihrer Ansicht nach könne sich
der Lehrer nicht mehr wehren. Und man würde der Witwe unrecht tun. Ein weiteres
Argument, wie so oft, war, dass es dem "Ruf der Schule" schlecht tun würde.
Keiner verstand diese Reaktion. Die Zeitung wurde weder für die Witwe, noch für
die restliche Stadt produziert, sondern für den Abiturjahrgang der Schule. Es folgten
mehrere Gespräche. Aber die Direktorin beharrte auf ihrer Meinung und ließ nicht
von ihrer Bitte ab, die besagte Seite zu schwärzen. Die Schüler handelten mit
Hilfe des JPVT mit Mitteln am Rande der Legalität. Den Lehrern wurden geschwärzte
Zeitungen verkauft, den Schülern nur mit Spritzkleber überklebte Seiten.
So konnte jeder, der wollte, die eigentliche Seite sehen und bewerten. Die Moral war,
dass dieser Fall, mit dem Gerede darum, so noch viel mehr Aufmerksamkeit bekam, jeder
Schüler den Artikel las, den sonst gar keiner bemerkt hätte. Durch die Querelen
wusste schnell die ganze Stadt von der Geschichte. Nur die Lehrer nicht. Sie glauben immer
noch, durch dumpfes Verbieten von Meinungen und somit auch das Einschränken der
Handlungen von volljährigen Menschen, alles lösen zu können. Zu einer
Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Problem, dem Tod des Lehrers, kam es nicht.
Juli 1999 2.Gymnasium Greiz
Zensur einer Textstelle der Schülerzeitung "V.I.P.S"
Die Schüler dieser Schule sind schon so "eigenzensiert", dass sie sich nicht
einmal trauen, den Namen ihrer Schülerzeitung "V.I.P.S" auszuschreiben
("Verein Irrer Planloser Schüler"). In einer Ausgabe erschien ein satirischer
Text über die aktuelle gesellschaftliche Lage in Bezug auf die Lehrer und die
Schüler. Darin wurde auch ein englisches Zitat von der ehemaligen Praktikantin
im Weißem Haus in Washington, Monika Lewinsky, in Verbindung eines Zitates eines
Englischlehrers erwähnt. Es hieß wohl sinngemäß "und dann wurde
noch geblasen". Um allen Schülern den Witz ersichtlich zu machen, übersetzte
die Redaktion dieses Zitat ins Deutsche. Genau diese Übersetzung musste die Redaktion
in allen Zeitungen schwärzen. Ein lächerlicher Eingriff der Schule. Erst versucht
sie, jedem Schüler ab Klasse 5 die englischen Vokabeln und Grammatik beizubringen und
dann geht sie davon aus, dass diese sie nicht beherrschen. Der JPVT wurde in diesem Fall
leider erst informiert, als fast alle Exemplare verkauft waren. Daher konnten wir nichts
mehr dagegen tun.
Juli 1999 Gymnasium Bergschule Apolda
Androhung der Zensur späterer Ausgaben der Schülerzeitung "Soda"
Das Gymnasium Bergschule hat seit 1933 leider einen negativen Ruf. Es war in der Zeit
des Nationalsozialismus eine nationalsozialistische Musterschule und trug den Titel
"Horst Wessel Schule". In Anbetracht dessen gibt es eine wache Gruppe innerhalb
der Schule, die versucht, neue rechte oder rechtsradikale Tendenzen aufzudecken und
öffentlich zu machen. So berichteten die Redakteure unter dem Titel "Dem Hass
keine Chance" von einer Klassenfahrt, auf der eine Klasse fremdenfeindliche Aktionen
gegenüber einer anderen Klasse mit russischen Schülern tätigte.
Daraufhin wurde die sogenannte "BILD-Zeitung" darauf aufmerksam und interviewte
unter einem falschen Vorwand den Direktor der Schule. Dieser versuchte die Handlungen
kleinzureden und mit hanebüchenen Argumenten zu entkräften. Das war gefundenes
Fressen für die "BILD", und in gewohnter Art wurden die Antworten auch noch
verschärft und aus dem Sinnzusammenhang entrissen, abgedruckt. Der Direktor war damit
ungewollt ins Kreuzfeuer geraten und versuchte die Redaktion für seine Diffamierung
schuldig zu machen. Die Androhung einer Zensur für weitere Ausgaben stand in der Luft.
In den Ferien wurde noch eine Schulkonferenz einberufen, die sich mit der Behandlung dieses
Vorfalls beschäftigen sollte. Aus Angst vor einer Zensur wurde auch der
Anti-Zensur-Referent des JPVT von der Schülerzeitung eingeladen. In einem
vernünftigen Gespräch und in konstruktiver Weise wurde dann nach Gründen
und Lösungsmöglichkeiten gesucht. Die meisten Lehrer, Eltern und Schüler
einigten sich auf eine Gegendarstellung und auf die bis dahin nicht durchgeführte
Kontrolle der Zeitung durch den Schulleiter. Dies war der einzige Fall der letzten 2 Jahre,
bei dem die Zensur verhindert werden konnte.
April 2000 Pestalozzi-Regelschule Weimar
Verbot der Berichterstattung der "Schülerzeitung"
Die Schüler der 8. Klasse wollten in der Projektwoche erstmals eine
Schülerzeitung produzieren. Um nicht nur über allgemeine Themen berichten
zu müssen, entstand die Idee, alle Lehrer der Schule einmal vorzustellen.
Nachdem einige Lehrerportraits fertig gestellt waren, nahm die Sozialkunde- und
Klassenlehrerin zwei Redakteure zur Seite und machte ihnen ummissverständlich klar,
dass sie dies zu unterlassen haben. Als Grund nannte sie, dass die Schüler keine
Ahnung hätten über alle Lehrer und damit einige schlechter und andere besser
abschneiden würden. Dabei wollten die Schüler lediglich ein objektives Bild
aller Lehrer anfertigen und allen Schülern alle Lehrer einmal vorstellen. Weder
Kritik noch Bewertung hatten sie vor. Die Lehrerin hatte trotzdem soviel Angst vor der
Arbeit der Schüler. Sie wird wissen warum. Also entstand eine Zeitung ohne
wirklichen Bezug zur Schule. Diese Einschüchterung hatte weitreichende Folgen.
Die jungen Redakteure hatten nun kein Interesse an weiteren Ausgaben, wahrscheinlich
weil ihnen auch schnell die Themen ausgegangen wären. So wird die Medienarbeit
junger engagierter Menschen also "gefördert".
| Medienkompetenz |
Neue Medien nehmen in der heutigen Zeit an Wichtigkeit immer mehr zu. Leider reicht
es nicht immer, mehr Schulen mit alten Computern zu versorgen. Viel mehr müssen
Menschen eingestellt werden, die die Anwendung und Wirkungen erklären können
und die neue Technik auch warten.
Es muss auch jedem Schüler die Möglichkeit gegeben werden, diese Medien
nutzen zu können. Nicht nur reiche Kinder, deren Eltern zu Hause einen
Internetanschluß haben, sondern auch weniger betuchte Jugendliche müssen
Erfahrungen sammeln können. Es darf keine 2-Klassen-Gesellschaft entstehen,
von Wissenden und Unwissenden.
Auch muss die Bildung allen zugänglich sein und Ausbilder sollten stärker
auf Wirkungen und Methoden der Medienindustrie hinweisen. Man muss das System verstehen,
damit man weiß, was man Glauben darf und was nicht. Somit könnte man erlernen,
auch die Medien für sich zu nutzen. Dafür ist es nötig, dass ein
Schulfach "Medien" schnellstmöglich an allen Thüringer Schulformen
eingeführt wird. Auch Jugend- und Medienverbände sollten die Chance haben mehr
in Schulen präsent zu sein.
Unsere genauen Visionen und Forderungen findest Du hier. [.doc Datei / pdf-Format]
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