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Diagnostik:
Ob die ICH-Entwicklung geglückt ist oder ob noch kein stabiles ICH vorhanden ist entscheidet darüber, ob es sich um eine neurotische Störung handelt oder um eine der sogenannten frühen Störungen. Zu den frühen Störungen zählt die Psychose, bei der das ICH fragmentiert und der Realitätsbezug nicht mehr möglich ist, sowie die Borderline-Störungen, bei denen die narzisstischen Störungen einen Sonderfall bilden, der hier aus Zeitmangel ausgeklammert werden soll. Herausragend bei den Borderline - Störungen ist die Spaltung des ICH`s in ein gutes und böses Segment. Ein Mensch mit dieser Störung kann sich nur entweder im guten oder im bösen Segment befinden. Die neurotische Störung zeigt sich dagegen darin, dass bei einem Konflikt Unvereinbares ins Unbewusste verdrängt wird und so eine Trennung zwischen Bewusstem und Unbewusstem entsteht. Da bei einem neurotischen Menschen ein ICH vorhanden ist, es lediglich nicht angemessen funktioniert, spricht man von einer funktionalen ICH-Störung. Im Gegensatz dazu ist bei einer Borderline-Störung das ICH noch nicht ausreichend ausgebildet, es besteht ein strukturelles ICH-Defizit. Deshalb ist auch der Grundkonflikt ein völlig verschiedener: der Neurotiker möchte in erster Linie Frustrationen vermeiden, (z.B. Liebesentzug, Aggression auf sich ziehen, ausgegrenzt werden) und möglichst viel Lustgewinn erzielen. Beim Borderliner wird es viel existentieller: Er pendelt zwischen der Angst vor dem Verschlungenwerden in der Nähe und der Angst, verlassen zu sein, wenn Distanz da ist. Die Angst des Neurotikers ist Liebesverlust, die Angst des Borderliners ICH-Verlust. Gegen diese Ängste gibt es unterschiedliche Abwehrmassnahmen: Der Neurotiker bewahrt sein ICH vor dem Konflikt, indem er verdrängt, was Liebesverlust nach sich ziehen könnte. Der Borderliner identifiziert sich entweder mit einem guten ICH-Anteil oder mit einem bösen, d.h. er spaltet sich aktiv. Psychisch und körperlich gibt es beim Borderliner keine klaren Grenzen zwischen dem ICH und dem DU. Auch die Wahrnehmung ist eingeschränkt, z.B. können Denken und Fühlen nur unabhängig voneinander funktionieren oder sind stark vernebelt, getrübt. Ist z.B. eine Klientin im minderwertigen Segment (Selbstentwertung), lebt sie in einer art magischen Welt, die zu diesem Segment passt (“Alle lehnen mich ab”) und ist nicht in der Lage, das wahrzunehmen, was im Hier und Jetzt stattfindet (Kompliment, Zuwendung, Berührung etc.) Auf Körperebene fühlt und empfindet der Neurotiker als ganzer Mensch, er kann sich z.B. einem unbewussten Körperteil zuwenden, sich auf ihn sammeln. Der Borderliner fühlt und empfindet nur als abgespaltene Teilperson. Ist er mit dem guten Segment identifiziert, kann er sich entspannt fühlen, der Atem kann fliessen, er sucht die Verschmelzung mit dem Behandler und fühlt sich mit ihm im 7. Himmel, unabhängig von dem, was tatsächlich in der Behandlung geschieht! | ||||||||||||